Dr. Adelheid Garg   


Narrenschelle 

 "Narr des Glücks" (Heinrich Heine)





"Buch Heine" 

 Heinrich Heine Denkmal von Bert Gerresheim auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf


"O, habt ihr über Glück und Unglück noch Gewalt 

Ihr Götter! - Gebt dem Glück auf heute viel' Befehle." (Heinrich Heine)



Tun wir's - und lösen beispielsweise die Probleme von Flucht und Migration von ihren Ursachen her.  Wissen wir doch: Menschen, die es auf sich nehmen , zwei Jahre lang zu Fuß durch die Sahara Richtung Europa oder durch Mittelamerika in Richtung USA zu gehen - auf der Flucht vor Armut, Perspektivlosigkeit, vor dem Terror krimineller Banden-  lassen sich auch von den tödlichen Gefahren des Mittelmeers, durch Mauern und gesicherte Zäune  nicht aufhalten.  Wissen wir doch: wir, die reichen Länder, zahlen einen hohen Preis, wenn es nicht gelingt,  das Wohlstandsgefälle aufzuheben:  mit der Gefahr der Aufgabe unserer allgemeinen Freiheits- und Menschenrechte , entweder durch Abschottung und Diskriminierungen in einer Festung Europa oder durch Extremismus, wieder erstarkenden Nationalismus und  Rassismus. 

Europa verfügt über alle Ressourcen , um den potentiell reichen afrikanischen Kontinent partnerschaftlich dabei zu unterstützen, wirtschaftlich zu prosperieren und die Lebensgrundlagen seiner Menschen zu sichern.  Die EU gilt in Afrika als Erfolgsmodell - und das ist sie auch!  

Warum, beispielsweise, setzt sie nicht ihren vielgeschmähten administrativen Apparat ein -einmal nicht um sich selbst zu verwalten und zu blockieren-, sondern um  etwa Start - Ups in Afrika mit Krediten zu fördern, um  Migrationswillige bereits im Herkunftsland über Risiken der Flucht und  reale Erfolgschancen in Europa zu informieren, Möglichkeiten der legalen Einreise aufzuzeigen, um global agierende Konzerne dabei zu stoppen, mit industriellen Fischfangflotten, Landgrabbing, Einfuhr billiger Nahrungsmittel etc. etc. etc.  der örtlichen Bevölkerung die Lebensgrundlage zu entziehen, um  Einfluss auf Finanzströme zu nehmen und zwar mit Ziel der Sicherung dieser Lebensgrundlagen? Wo sind entsprechende Anstrengungen  unseres AA, unseres BMWZ, unseres Finanzministeriums in großem Stil? Wo ist die Zusammenarbeit der EU mit ihrem afrikanischen Gegenüber  AU? 

Afrika und Europa sind potentielle Partner - aus vielerlei Gründen: geostrategischen, wirtschaftlichen, demographischen , historisch-kulturellen , insbesondere aus kulturell-  zwischenmenschlichen Gründen.  Sie könnten, gemeinsam, eine gedeihliche , glückliche Perspektive für beide  Kontinente initiieren.  Warum tun wir's nicht? Tun wir's!  



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 Erinnerung an die Geschwister Hans und Sophie Scholl 

(*22.September 1918  und *9. Mai 1921, + 22.Februar 1943)

und die Widerstandsgruppe "Die weisse Rose"

Namensgeber des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München

 


"Remembering the White Rose"

by Richard Hurowitz, NYTimes, Feb 21, 2018

 https://www.nytimes.com/2018/02/21/opinion/white-rose-hitler-protest.htm



Copyright NYTimes



Die Bundesrepublik Deutschland ist eines der reichsten Länder mit einer aufgeklärten und  menschenfreundlichen Verfassung ; sie verpflichtet alles staatliche Handeln auf die Achtung und den Schutz der Menschenwürde (Art 1), den demokratischen und sozialen Bundesstaat auf das Rechtsstaatsprinzip. ( Art 20) und stellt beide Artikel des GG unter Ewigkeitsgarantie.  D.h.: diese Artikel GG könnten auch nicht mit Parlamentsmehrheit geändert oder abgeschafft werden.   Den VerfassungsEltern sei Dank.

Auch das Widerstandsrecht "gegen jeden, der es unternimmt , diese Ordnung zu beseitigen" (Art 20) steht unter Ewigkeitsgarantie. Wer die Grundrechte "zum Kampfe gegen die freiheitliche Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen. " (Art 18)

Ein demokratischer und sozialer Bundesstaat , wohlgemerkt, nicht etwa ein national-sozialistischer Staat. Und: Bereits Mitte der 1990er Jahre erinnerte der damalige Bundespräsident Richard v. Weizsäcker daran: im GG stehe "die Würde des Menschen", nicht etwa nur die des Deutschen. Dass sie unteilbar ist, machen wahnhaft-dreiste Pläne zur Ausschaffung selbst  nicht genehmer, verhasster  deutscher Staatsbürger aktuell wieder einmal überdeutlich. 

Wir verfügen über alle notwendigen Ressourcen, um die Herausforderungen unserer Gegenwart konstruktiv , aufgeklärt,  im Geist der Menschenwürde lösen zu können.  

"And so my fellow Americans", adressierte John F. Kennedy seine Landsleute und die Welt  in seiner Amtsantrittsrede, "ask not what your country can do for you - ask what you can do for your country. My fellow citizens of the world: ask not what America will do for you , but what together we can do do for the freedom of man."

 "Together".  Nehmen wir die Berichte von SIPRI und Oxfam 2024 ernst und lösen wir die aktuellen Krisen von ihren Ursachen her. 

Vom "Weltbürgerrecht", von einem "Besuchsrecht" beim nahen oder fernen Nachbarn , nicht von einem "Gastrecht" hatte Kant 1795 angesichts des "inhospitablen Betragens" vornehmlich der handeltreibenden Staaten geschrieben. Von "Staatsoberhäupter(n), die des Krieges nie satt werden können".   "Wieviel Mühe haben sich Menschen bereitet, um sich von einem Ende der Erde bis zum anderen unglücklich zu machen." (Pierre Poivre, 1768) 

 Kant sieht im "Interesse" das Movens zum Frieden, christliche Religion in der Liebe, in der Feindesliebe sogar; in  jüdischer und islamischer Tradition ist der Friedensgruß bis heute ein alltägliches Begrüßungsritual; Europa hat die allgemeinen Menschenrechte institutionalisiert und einklagbar gemacht.  Ist das nicht eine vernünftige Basis , zukunftsfähige Perspektiven inmitten krisenhafter Turbulenzen zu entwickeln? 

Gegenwärtig protestieren Menschen in unseren Städten - zahlreich! - für  geschwisterliches Zusammenleben in und mit der Welt , gegen Hass, Nationalismus und Rassismus. Endlich! 


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Wie schön, im deutschen Bundestag die französische Sprache zu hören und wie wohltuend die Erinnerung an das Projekt Europa : Wohlstand und Frieden, Vielfalt und Gemeinsamkeit. Macron sprach von der "sensibelsten und zugleich fruchtbarsten Grenze"  - der französisch-deutschen - ; wäre nicht, was zwischen damaligen "Erbfeinden" gelang, aller Anstrengung bei anderen Grenzen wert? Europa / EU ist ein kulturelles, politisches, geostrategisch-wirtschafts- und sicherheitspolitisches Projekt , das sich nicht in Bürokratie verlieren , nicht  autoritär-nationalen Begehrlichkeiten anheim fallen darf . 

EU gilt in vielen Teilen der Welt als Erfolgsmodell, das moderne  Europa  trotz seiner kolonialen Vergangenheit - noch- als  erstrebenswertes Migrationsziel nicht nur für vor Armut und Krieg fliehende Menschen und  nicht nur wegen seiner Sozialleistungen, vielmehr auch wegen der Rechtsstaatlichkeit,  der Freiheit von Wissenschaft und Forschung , der kulturellen Vielfalt und freiheitlich-demokratischen Verfasstheit.  Welch ein Jammer, wenn wir diesen Reichtum  verspielten, wenn uns diese Menschen künftig fehlten.  Und es eng werden würde.   


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"Ganz unerwartet ist La clemenza di Tito eine äußerst wichtige Oper für das 21. Jahrhundert geworden. Es geht um (...) das Durchbrechen des Kreislaufs der Gewalt und um die Vorherrschaft der Gnade. (...) Wir glaubten immer, diese Oper sei ein reines Traumspiel - bis Nelson Mandela Präsident von Südafrika wurde, eine Regierung bildete mit denselben Leuten, die versucht hatten, ihn umzubringen, um so den Kreislauf des Tötens zu durchbrechen. Die Wahrheits- und Vergebungskommission, wo die Verbrecher ihren Opfern und deren Familien gegenübertreten mussten , testeten die Grenzen und Möglichkeiten der Vergebung heute." ( Peter Sellars,  A New Crowned Hope.  Mozart-Jahr 2006) 

"It was during that long and lonely years that my hunger for the  freedom of my own people became a hunger for the freedom of all people, white or black. As knew as well as I knew anything that the oppressor mus be liberated just as surely as the oppressed. A man who takes away another man's freedom is a prisoner of hatred , he is locked behind the bars of prejeducice and narrowmindedness. I am not truly free whwn my freedom is taken from me. The oppressed and the oppressor alike are robbed of their humanity."  (Nelson Mandela, Long Walk to Freedom. 1994 ) 

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"Wenn wir eine Idee beschreiben wollen, die durch die ganze Geschichte hindurch in immer erweiterter Geltung sichtbar ist, (...),so ist es die Idee der Menschheit, das Bestreben , die Grenzen , welche Vorurteile und einseitige Ansichten aller Art feindselig zwischen die Menschen gestellt, aufzuheben und die ganze Menschheit ohne Rücksicht auf Religion, Nation und Farbe als einen großen, nahe verbrüderten Stamm , als ein zur Erreichung eines Zweckes, der freien Entwicklung innerer Kraft , bestehendes Ganzes zu behandeln." ( Wilhelm von Humboldt )


 "Ob diese satirische Überschrift auf dem Schilde jenes holländischen Gastwirths, worauf ein Kirchhof gemalt war , die Menschen überhaupt, oder besonders die Staatsoberhäupter, die des Krieges nie satt werden können, oder gar nur die Philosophen gelte, die jenen süßen Traum träumen, mag dahin gestellt sein. (...)...; durch welche Clausula salvatoria der Verfasser dieses sich dann hiemit in der besten Form wider alle bösliche Auslegung ausdrücklich verwahrt wissen will.  

(...) Wenn es Pflicht, wenn zugleich gegründete Hoffnung da ist, den Zustand des öffentlichen Rechts, obgleich nur in einer ins Unendliche fortschreitenden Annäherung wirklich zu machen, so ist der ewige Friede, der auf die bisher fälschlich so genannten Friedensschlüsse (eigentlich Waffenstillstände) folgt, keine leere Idee, sondern eine Aufgabe, die, nach und nach aufgelöst, ihrem Ziele (weil die Zeiten , in denen gleiche Fortschritte geschehen, hoffentlich immer kürzer werden) beständig näher kommt."( Emmanuel Kant, Zum ewigen Frieden. 1795 )



to be continued